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Sommer 1944

HP
29. Juli
1 Min. Lesezeit
Büste von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ausgestellt in der Ruhmeshalle München

Im Haus gab es eine Frau K., die regelmäßig ihre Mutter am Tegeler See besucht hat. Im Sommer hat sie mich manchmal mitgenommen, denn da konnte man am Wasser wunderbar spielen. Da war man den ganzen Tag ohne Radio – andere Medien gab es ja sowieso noch nicht.


Als wir am Abend ins Haus kamen, ging die Tür der Erdgeschosswohnung auf und die dort wohnende Frau S. sagte: „ Frau K., haben Sie schon gehört, die haben auf unseren Führer ein Attentat verübt. Aber – Gott sei Dank – er hat überlebt.“ Und nun überboten sich die beiden Frauen minutenlang mit Bestrafungs- und Folterfantasien für diese Schweinehunde, die so etwas taten. Vierteilen, kopfüber aufhängen und ähnliches. Sogar mir mit meinen 7 Jahren kam das widerlich vor.

Es war der 20. Juli 1944. Die Alliierten waren in Frankreich gelandet und drangen vor. Die Russen rückten an der Ostfront vor. Die abendlichen Aufenthalte im „Luftschutzkeller“ wurden mehr. Die zwei Frauen waren keine besonderen „Nazis“; aber so aufgehetzt und von der Propaganda verblödet, wie es damals viele Deutsche waren.

Nur „damals“? Nur Deutsche? Was meinen Sie, liebe Leser?

 
 
 

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